Aura of Awesomeness

Juni 23, 2009

Abgaben auf Medien die kopieren von geschützten Inhalten ermöglichen und Entwicklungen außerhalb Deutschlands.

Filed under: Rant — weizilein @ 12:27 pm

Nachdem es in den letzten Tagen fast nur Aufregung über das neue Internetsperrgesetz gab, will ich mal ein anderes Thema ansprechen. Urheberrechte und die Machenschaften der Verwertungsgesellschaften.

Der neuste Streich sind nun Abgaben auf USB-Sticks und Speicherkarten. Die Musikindustrie feiert schon, und sagt die Verhandlungen wären schon so gut wie in trockenen Tüchern, 10 Cent pro Karte/Stick soll von den Herstellern und Importeuren an die Verwerter gezahlt werden. Aus der Sicht der Speicherchipindustrie sind aber viele wichtige Fragen noch nicht geklärt, und die Verhandlungen noch längst nicht beendet.

Ich frage mich hierbei, wozu dienen diese Abgaben eigentlich? Die Begründung für die Einführung der Abgaben auf CD’s, DVD’s , Brenner, Festplatten, und PC’s sei, dass mit diesen Medien Kopien von urheberrechtlich geschütztem Material gemacht werden kann. Die ZPÜ (Zentralstelle für private Überspielungsrechte) sammelt diese Abgaben und führt sie dann den Urheberrechtehaltern zu. Nachdem die Verhandlungen über die Höhe der Abgaben auf PC’s gescheitert sind , bei denen die ZPÜ für einen Rechner mit einem DVD-Brenner und 500 Gigabyte Festplatte 55€ haben wollte, die Hersteller allerdings nur 6€ pro Rechner zu zahlen bereit waren, da PC’s zu großen Teilen gar nicht dazu genutzt werden, um Musik oder Filme zu kopieren, geht es nun weiter mit Abgaben für USB-Sticks und Speicherkarten.

Diese Abgaben sollen die Rechteinhaber nun dafür vergüten, wenn jemand erlaubte Privatkopien anlegt, dass das heutzutage kaum möglich ist, da es gesetzlich verboten ist, einen Kopierschutz zu umgehen, egal wie trivial dieser ist, spielt dabei keine Rolle. Es werden also Abgaben auf alle Medien mit denen es theoretisch möglich ist, digitale Daten zu kopieren, mit einer Zwangsabgabe belegt. Der Witz bei der sache ist, dass damit auch sehr viele Endnutzer betroffen sind, die diese Medien gar nicht dazu einsetzen, Kopien von geschützten Werken anzulegen. Wieso sollte jemand, der sich eine MircoSD-Karte für seine Kamera kauft, auf der er nur Bilder speichert, die er selber geschossen hat, und somit auch das Urheberrecht auf eben diese Bilder hat, bitte Abgaben an die GEMA zahlen? Genauso werden die Abgaben für PC’s an den Endkunden weitergereicht, selbst wenn dieser einen Rechner nur für den zweck kauft damit zu arbeiten. Studenten die ihre Abschlussarbeiten auf CD’s sichern, zahlen dafür Abgaben. Abgaben die eigentlich hinfällig sind, wenn man bedenkt das man legal, so oder so kaum noch CD’s oder DVD’s kopieren kann, da alle mit einem Kopierschutz gesichert sind, dessen Umgehung illegal ist.

Wenn sie also an den Abgaben auf alles und jeden festhalten wollen, dann müssten sie konsequenterweise ihre Datenträger wieder ohne Kopierschutzsysteme auf den Markt stellen, was ja nun immerhin im Onlinemusikverkauf auch geschieht, aber seien wir mal ehrlich, dieser Markt hatte mit DRM ohnehin keine Chance, da es auf vielen Geräten zu abspielfehlern kam, und wer bezahlt schon für Musik, die er dann nicht dann hören kann, wenn er will. So wird einfach nur eine weitere Einnahmequelle für das veraltete Geschäftsprinzip der Verwertungsgesellschaften angelegt, ohne sich überhaupt mit neuen Ideen, wie z.B. einer Kulturflatrate auseinanderzusetzen.

Dabei ist die Idee der Kulturflatrate eigentlich gar nicht so verkehrt, jeder müsste dort eine kleine Abgabe (fünf bis zehn Euro) zusätzlich an seinen Internetprovider zahlen, aber dafür wird der noch illegale Download von Musik, Filmen, Ebooks und sonstigem aus diesem Topf vergütet. Das Manko, das ich daran noch sehe ist, wie man diesen Topf aufteilt, um das fair zu machen, müsste man das Download verhalten der Nutzer analysieren, was wieder Datenschutzrechtliche Probleme mit sich bringt. Aber es ist zumindest schon einmal eine Idee in die richtige Richtung. Auch könnten sich Künstler so wieder einfacher selbst verlegen, das würde zwar die Verwertergesellschaft aus diesem Kreis ausschließen, aber diese Idee wird sich so oder so in den nächsten Jahren als veraltet herrausstellen, und wird eventuell sogar abgeschafft werden. Das meiste Geld machen Künstler ohnehin nicht über ihre CD-Verkäufe, da ihre Anteile daran sehr klein sind, sondern über Merchandising und Konzerte. Ein freier Download mit Vergütung über eine Kulturflatrate könnte so auch sehr effecktive Werbung für eine Band sein, die so mehr Besucher auf ihre Konzerte lockt.

Einen Fortschritt in diese Richtung findet zur Zeit im Bereich Anime statt, Animeserien gibt es größtenteils wenige Stunden nach Erstausstrahlung, mit guten Untertiteln und HD-Qualität im Internet. Die Animeindustrie versucht gerade darauf zu reagieren, in dem sie 24 Stunden nach der Ausstrahlung Webstreams der Serie anbieten, die gegen ein minimales Entgeld empfangbar sind. Mit Erfolg.

Lange Zeit habe ich mich auch gescheut Anime-DVD’s in Deutschland zu kaufen, da die deutsche Vertronung meistens lieblos und in sehr schlechter Qualität vorliegt, ich schaue Filme zwar lieber in original Vertonung, doch ist mein Japanisch bei weitem noch nicht gut genug. Mir blieb also nichts anderes übrig, als die deutschen Untertitel der Verleger anzuschauen, die nebenbei bemerkt meistens extrem schlecht und schlichtweg falsch übersetzt sind, das selbst ich in 20 minuten Arbeit besser getimete und ambientigere Untertitel erstellen könnte, oder mir die Untertitel von diversen FanSubGroups anzuschauen. In Amerika wurde nun immerhin schon langsam eingesehen, das man vielleicht auf diese Fansubber zu gehen könnte, und sie als Timer/Grafiker/Übersetzer anheuern kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist HisshouBuraiKen, einer der bekanntesten Übersetzer in der Anime- und Manga-Gemeinde. Er hat nun angefangen professionell Anime zu übersetzen, und geht dieser Tätigkeit gerade bei dem Anime Eyeshield 21 nach. Er schreibt selber dazu:

„It’s indescribably satisfying to be able to translate professionally, but I never would’ve gained the experience and notoriety (or perhaps infamy) necessary to get this job without the resources and support of the MangaHelpers community. A million thanks to everyone who helped this site, and me, achieve as much as we have.“

Es gibt, denke ich genug Fansubber die ihre Erfahrung professionellen Firmen zur Verfügung stellen würden, es müsste nur auf sie zugegangen werden. Was vielleicht noch wichtig wäre anzumerken, die angesehenen Fansubgroups nehmen ihre Werker vom Netz sobald diese in den USA lizensiert werden. Sie versuchen also keineswegs die Industrie auszuspielen und Geld damit zu machen. Die Szene fing damit an, dass es außerhalb von Japan genug Leute gab, die sich für Anime interessierten, aber niemanden, der Anime verständlich, also übersetzt und mit Untertiteln versehen, vertrieb. Also haben sich ein paar Geeks hingesetzt, ihre Lieblingsserien übersetzt und diese dann per VHS an ihre Freunde weitergegeben. Mit dem Erfolg des Internets hat sich die Verteilung der Subs natürlich stark vereinfacht, auch wurde der Boom für Anime immer größer, jetzt laufen sie auch bei uns im Nachmittagsprogramm, leider meistens so stark geschnitten, falsch übersetzt und lieblos vertont, dass die eigentliche Geschichte dabei verloren geht. Aber es ist ja nun Besserung in Aussicht, wenn mehr Firmen versuchen dedizierte Subber aus dem Netz und in ihren Betrieb zu holen. Wenn ansprechende DVD’s erscheinen würden, würde ich sie auch kaufen, doch im Moment sehe ich keinen Grund für zwei bis vier Folgen pro DVD, die dann auch noch falsch übersetzt sind, und mit Glück vielleicht noch eine Stereospur original Sound enthalten, 15-30€ auszugeben. Man muss sich überlegen das die durchschnittliche Anime-Folge ca 22 Minuten lang ist, wobei dort noch einmal 1:30 für das Intro und 1-2 Minuten für das Outro verloren gehen, dazu noch eventuell zusammenfassungen was bisher geschah, und schon ist man bei einer Folgenlänge von 15-18 Minuten, und dafür soll ich bei schlechter Qualität 5-10€ ausgeben? Nein danke. Dann schau ich sie lieber gar nicht, oder eben per Fansub.

Zusammenfassend kann man sagen, es muss sich etwas verändern, denn das jetzige System ist dabei zusammenzubrechen. In gesonderten Fällen fangen neue Ideen an Fuß zu fassen, was ich persönlich eine sehr gute Sache finde, in anderen Fällen wird einfach so weitergemacht wie bisher, vor allem die deutsche Musikindustrie hinter Herrn Gorny, mit seiner abgesagten POPkomm, ist ein Fall für sich, der hoffentlich demnächst ein Ende findet. Was ich allerdings in diesem Zusammenhang Schade finde ist, dass die CDU/CSU das in Frankreich gerade vor dem Verfassungsgericht scheiternde  Three-Strikes-Modell in ihr Walhkampfprogramm aufgenommen hat. Das kann man nur als weiteren Punkt dafür sehen, das die Führung dieser Partei aus Internetphobischen Konservativen gebildet wird, die sich das Web auch noch in 10 Jahren ausdrucken lassen werden.

Ich habe fertig.

weizilein

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